“Das hättest du echt anders anleiern sollen, Brian. Hättest du erst nachher gesagt, dass das Ding ein volles Jahr alt ist, dann hätten sie kein Problem damit gehabt…”
Die Rede am späten Abend des 24. und am frühen Morgen des 25. war bei uns von dem Christmas Pudding, den ich meinen Gästen und Nachbarn – alles Deutsche – vorgestellt hatte. Der Christmas Pudding ist das traditionelle englische Dessert zum großen Weihnachtsessen und ist in seiner originalen Form mindestens ein Jahr alt.
S
tandesgemäß zubereitet wird er schon Mitte November gemacht – vorwiegend aus Paniermehl, Eiern, dunklem Bier, säuerlichen Äpfeln, Rosinen, Sultaninen, Zitronat und ähnliches sowie Rum und Brandy. Das alles wird vermengt, über nacht stehen gelassen und dann in kleinen Puddingformen acht Stunden unter Dampf gekocht. Die fertigen Puddings werden dann über die darauffolgenden dreizehn Monate immer wieder mit hochprozentigem wie Rum & Co. aufgegossen – frei nach dem Motto: “Mensch, hier is noch ein Schluck in der Flasche von der Party gestern übrig geblieben, immer rein damit!”
Also für Weihnachten im Folgejahr wird gekocht. Unser Pudding für 2009 hatte ich schon Ende 2008 an den Start gebracht. Dann wurde er wieder warm gemacht und mit brandy butter serviert. Für diejenigen, die kein Englisch können, oder die über zu geringe bzw. über zu weit, nicht mehr auf die einfachste Möglichkeit bedachte Vorstellungskraft verfügen, erkläre ich kurz, was brandy butter ist: eine Buttercreme mit viel Brandy. Nur der viele Zucker findet sich nicht im Titel wieder.
Vor dem Servieren wird der Pudding nochmal ausgiebig und zu allem Überfluss mit Brandy begossen und angezündet. Er brennt feierlich und alle sind beeindruckt. Oder, in Deutschland, alle nehmen sich in Schutz und weigern sich, das Zeug einmal anzutasten.
Die wenigen, mutigen Gäste, die den Pudding probiert haben, waren aber erwartungsgemäß begeistert. Be-geist-ert, denn da steckt auch nach dem Wiederwarmmachen und der lustigen Abfackel-Aktion immer noch so einiges an Geist drin. Und die verstehen plötzlich, warum ich immer zuerst erzähle, dass es ein Jahr alt ist: Da bleibt nämlich mehr für diejenigen, die es durch die Mutprobe verdient haben.
Pingback: Weihnachtsküche « Melican's kitchen: Or how I learned to stop worrying and love German food
Pingback: Christmas Pudding 2.0 « Melican's kitchen: Or how I learned to stop worrying and love German food