Grünkern

Es gibt ja so manch ein deutsches Wort, wo das mit der Übersetzung nicht so reibungslos funktioniert. In der Regel liegt das entweder daran, dass das Wort eine komische Zusammenstellung ist (wie z. B. “Vertragsabkommenabgabetermin”), oder dass es das dahinterliegende Konzept oder Ding im Englischen schlichtweg nicht gibt.

Das trifft ja bei Grünkern zu. Ich kann in England kein Grünkern kaufen; ich habe da schon tierische Probleme, überhaupt Weizen- oder Roggenkörner als solche zu kaufen. Auf diese ganze “Getreide als Beilage”-Schiene sind meine Landsleute nie gefahren; so was finde ich höchstens im abgefahrensten Bioladen, wo die Hippie-Tante hinter der Theke mir dann auch noch zutextet, wie viele “Macrovitamine” oder “Urwertstoffe” oder so ein Krams drinne sei.

Grünkern ist von daher nur unappetitlich mit “unripe spelt-wheat-grain” zu übersetzen. Ich bleibe von daher gerne bei Grünkern.

Und der ist echt lecker. Ich mag den rauchigen, fast fleischigen Geschmack: er ist tief, interessant. Von daher kommt man auch ohne Fleischzugabe oder Fleischbrühe aus, was ich sonst bei Getreide meistens für unabdingbar halte (Beispielsfall: Gerste). Ich mag mein Grünkern ganz gerne einfach mit Saisonsgemüse gekocht und dann mit einem schlichten Quarkstipp serviert.

Wer hätte es also gedacht? Eine 100%-ig deutsche Köstlichkeit, die so richtig leicht und gesund ist! Und jetzt in den Sommermonaten hervorragend lauwarm zu Mittag.

Mittagessen im Spätsommer

Rezept – Grünkern mit Sommergemüse- 4 Portionen (6 bei dünnen Vegetariern, aber die kennen sich schon sehr gut mit Grünkern aus und brauchen hier nicht unbedingt weiterzulesen…)

1 Stunde

1 Zwiebel
1 Kohlrabi
1 Paprikaschote
500 g Grünkern
3 mittelgroß-große Tomaten
Liebstöckl, Chili-Flocken, Oregano
1 Zitrone
250g Quark (wie immer, geil hoher-höchster Fettstufe)
1 Bund Rauke
Salz & Pfeffer

1. Zwiebel und Paprika kleinschneiden und in einem großen Topf in Bratöl leicht andünsten; Kohlrabi ebenfalls kleinwürfeln und dazugeben.

2. Wenn die Zwiebeln glasig sind, kommt der Grünkern dazu. Der wird kurz mitangeschwitzt, die Hitzezufuhr wird erhöht und das ganze mit Wasser aufgegossen, bis der Grünkern nicht nur gedeckt ist, sondern auch noch Platz zum Schwimmen hat.

3. Bis alles aufkocht, werden die Tomaten kleingeschnitten. Ich habe scharfe Messer und in diesem einfachen Gericht üerhaupt nichts gegen Haut. Aber enthäuten könnte man die Dinger vorher, wenn man darauf pocht. Die Tomaten werden, mit dem Gewürz (1 Blatt Liebstöckl reicht immer; sonst nach Geschmack eben). Von der Zitrone ein bisschen Schale abrieben und dazugeben – Zitrone müsste also unbehandelt sein.

4. Hitze wieder runter; Grünkern weichkochen (dauert meistens so eine Halbstunde; ich mags aber eh noch körnig). In der Zwischenzeit Quarkstipp zubereiten.

5. Rauke kleinhacken, Quark mit 1 Esslöffel Wasser oder Milch glattrühren, Saft von einer halben Zitrone dazugeben, mit Salz, Pfeffer und Rauke verrühren.

6. Grünkernschmaus in einen tiefen Teller packen, Quark drauf klecksen. Sich auf einen produktiven, nicht vom üblichen Suppenkoma geprägten Nachmittag freuen.

3 Antworten zu Grünkern

  1. Hallo Herr Gruenkernspezialist,

    das beste an diesem Artikel ist wohl dein Schreibstil…. wir wuerden ALLES essen, ueber das du schreibst…. :)
    danke dass es dich gibt Brian

  2. In dem Fall bringe ich euch Ende September eine Kostprobe mit nach Bayern… ;-)

  3. Pingback: Grüne Linsen mit Sommergemüse « Melican's kitchen: Or how I learned to stop worrying and love German food

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